Konkordatsbericht Zürich- und Walensee
06 | 08 | 2021 SchweizText: Nils Anderson | Foto: Rachid Amrous 01103
06 | 08 | 2021 Schweiz
Text: Nils Anderson | Foto: Rachid Amrous 0 1103

Konkordatsbericht Zürich- und Walensee

Die Jahreszahlen zu den Fängen in Zürich- und Walensee zeigen ein durchzogenes Bild. Wir kommentieren die Zahlen der wichtigsten Fischarten.


Felchen

Die Berufsfischer in den beiden Zürichsee-Teilen konnten im Jahr 2020 mit ihren Felchenfängen zufrieden sein. Ausgerechnet in jener Zeit, wo die Nachfrage in der Gastronomie so tief war wie schon lange nicht mehr, hing wieder mal ordentlich Fisch in den Netzen der Berufsfischer und an den Hegenen der Angelfischer: insgesamt 29 Tonnen mehr als im Vorjahr und gleichviel wie in den Jahren 2016 und 2017 zusammen. Dass die Zürichsee-Angler gegenüber den Berufsfischern nur Juniorpartner sind, verdeutlicht einmal mehr der direkte Vergleich: 18 Tonnen bei den Hobbyfischern stehen knapp 107 Tonnen Berufsfischer-Ertrag gegenüber. Der Gesamtfangertrag des Walensees ist hingegen nach wie vor erschreckend tief. Auf ein Kilo gefangene Walensee-Felchen kommen sage und schreibe 22 Kilo Zürichsee-Felchen. Mit 5,5 Tonnen war der Ertrag im Walensee dennoch ziemlich genau im 10-Jahresschnitt. Der Berufsfischerfang der Albeli im Walensee ist hingegen regelrecht eingebrochen: Die gefangenen 44 Kilo sind noch 10 Prozent des langjährigen Schnitts.


Egli und Hecht

Das Egli ist für viele Fischer der Zielfisch Nummer eins und die Bestandsschwankungen sind bekannt. 2018 war für die Sportfischer am Zürich- und Obersee ein gutes Jahr mit etwas über 12 Tonnen, 2020 hingegen betrug die Fangmenge mit 8206 Kilo noch etwa zwei Drittel davon, wovon der Löwenanteil auf den unteren Seeteil fiel. Der 10-Jahresschnitt liegt hier im Zürich- und Obersee bei etwas über zehn Tonnen.

2019 beendete die Zürcher Fischereiverwaltung den Hechtbesatz mit dem Hinweis, dass die Naturverlaichung genügend gut funktioniere. Die Zahlen bestätigen die Annahme der Verwaltung weitgehend: Mit 9187 Kilo gefangenen Hechten ist man auch 2020 über dem Schnitt von 8,4 Tonnen. Beim Hecht ist die Fangmenge von Hobby- und Berufsfischer fast ausgeglichen: Letztere fingen 8944 Kilo.

Im Walensee dominiert der Hecht gewichtsmässig klar die Angler-Fangstatistik: Die 873 Kilo sind mehr als der Hobby­fischer-Gesamtertrag aller anderen Fischarten zusammen und ist nebst dem Albeli die einzige Fischart, deren Ertrag über dem 10-Jahresschnitt liegt.


Forellen und weitere Fischarten

Der Walensee ist eigentlich als gutes Trüschengewässer bekannt. Mit seinen steil abfallenden Ufern und dem kalten, nährstoffarmen Wasser ist er für einen prächtigen Bestand prädestiniert. Die Fangzahlen sprechen jedoch eine ganz andere Sprache: Gerade mal neun (!) Kilogramm Trüschen fanden als Anglerfang Eingang in die Statistik. Da das Uferfischen auf Trüschen dem (nicht statistikpflichtigen) Freiangelrecht unterliegt, dürfte die tatsächliche Menge gefangener Trüschen höher sein. Unser Trüschen-Experte Daniel Luther weiss zu berichten, dass auch die Taucher kaum mehr Trüschen an den einstigen Hotspots zu Gesicht bekommen. Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Trüschen schon noch da sind: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die einfach verschwunden sind.»

Bei den Walensee-Forellen folgte mit 2020 auf zwei überdurchschnittliche Jahre wieder ein schlechtes Jahr: 275 Kilo Forellen wurden insgesamt erbeutet, 184 Kilo davon von den Hobby-Fischern. Im Zürich- und Obersee ist der Forellenfang dagegen erfreulich ausgefallen: Rund 2250 Kilo wurden insgesamt gefangen, der Grossteil davon von den Berufsfischern, die gegenüber 2019 wieder massiv mehr Forellen erbeuteten. Die Fischereiverwaltung schreibt dazu: «Auch die Entwicklung bei den Seeforellen ist erfreulich. Die teilweise im Vorjahr hochstilisierte (sic!) Fangkrise scheint ein einmaliger Aus­reisser gewesen zu sein. Mit knapp 2,3?t liegt der Fangertrag wieder im Bereich des langjährigen Mittels. (…) Die rund 1,6 Tonnen der Berufsfischer bedeuten eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 290 Prozent und fallen dementsprechend stark ins Gewicht. Aber auch die Sportfischer konnten sich über einen 18 Prozent höheren Fangertrag dieser prestigeträchtigen und begehrten Art freuen.»


Sorgenkind Linthkanal

Der Linthkanal hingegen taugt offensichtlich kaum noch als Heimat der Forellen. Mit 48 Kilo wurde ein historischer Allzeit-Tiefstwert erreicht, der wirklich Anlass zur Sorge gibt: Solange hier konsequente Beschattungsmassnahmen wegen Hochwasserschutzbefürchtungen kategorisch ausgeschlossen bleiben, dürfte auch kein Umkehrtrend zu beobachten sein. Vergleicht man dazu die historischen Fangzahlen von Ende der 1970er-Jahre, stimmt einen dies schon nachdenklich: Damals wurden teils um die 7000 Kilo Forellen entnommen: Das ist fast 150 (!) mal mehr als heute. Als kleiner Trost bleibt nebst der vereinzelten Sichtung von Nasen der vage Aufwärtstrend bei den Äschen, von 81 Kilo im 2018 auf 119 Kilo im 2020, doch auch hier sind die Zahlen über die Jahre in fast unfassbarem Ausmass zurückgegangen.

 

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