Medienecho – Kraftwerkbetreiber in der Pflicht
27 | 06 | 2018 Schweiz | VideoText: Robin Hrovatic 0894
27 | 06 | 2018 Schweiz | Video
Text: Robin Hrovatic 0 894

Medienecho – Kraftwerkbetreiber in der Pflicht

«Rundschau» vom 16.05.2018 «Todesfallen für Fische / Sanierung der Kraftwerke kostet bis zu 5 Milliarden Franken»

Der Präsident des Schweizer Wasserwirtschaftsverbands und SVP-Nationalrat Albert Rösti beteuert im Interview mit der SRG in der Sendung «Rundschau», dass die Betreiber der Wasserkraftwerke «absolut daran und bereit dazu sind, die nötigen Massnahmen zu treffen», um die freie Fischwanderung sicherzustellen, wie es das revidierte Gewässerschutzgesetz aus dem Jahr 2011 vorschreibt. Leider klingt das bei ihm, als handle es sich bei diesen Massnahmen nur um eine schöne Geste der Wasserkraftbetreiber, wo doch das Gesetz klar vorschreibt, dass die freie Fischwanderung bis im Jahr 2030 zu gewährleisten ist.

Wenn Albert Rösti gleich im Anschluss anfügt, dass «die meisten Fische unverletzt durch eine Turbine kommen», macht er es sich sehr einfach. Dr. Helge Fuchs von der ETH Zürich bestätigt auf Anfrage von «Petri-Heil», dass die Fischschädigung bei Turbinenpassagen ein sehr komplexes Thema ist und von sehr vielen Faktoren abhängt, wie zum Beispiel Art und Grösse der Fische, Typ, Durchmesser und Drehzahl der Turbine sowie Höhendifferenz der Schwelle. Selbst wenn bei sogenannt «fischfreundlichen Turbinen» die Mortalitätsraten der Fische im geringen Prozentbereich liegen, wächst bei Fischen, die mehrere Kraftwerke bis zu ihren Nahrungs- oder Laichplätzen passieren müssen, die Rate exponentiell, sodass am Ende der Wanderung ihre Anzahl stark dezimiert ist. So wird klar, dass jedes Prozent mehr an Fischen, die es durch die Turbinen schaffen, von grosser Bedeutung ist. Besonders deutlich wird das, wenn wir an den atlantischen Lachs denken, der es einst wieder von der Zürcher Glatt bis in die Nordsee schaffen soll. 

Die vom Schweizerischen Fischereiverband (SFV) geschätzten Kosten von 4 bis 5 Milliarden Franken für das Sicherstellen der Fischgängigkeit kommentiert Rösti mit «völlig unverhältnismässig» und vergleicht sie mit dem jährlichen Armeebudget von 5 Milliarden Franken. Damit werden aber Äpfel mit Birnen verglichen, sieht das Gewässerschutzgesetz doch vor, dass der Umbau der Kraftwerke bis im Jahr 2030 umgesetzt sein muss und die Kosten sich somit über mehr als ein Jahrzehnt verteilen. Die «Rundschau» rechnet in der Folge vor, dass die Stromkonsumenten neu 0,4 bis 0,5 statt 0,1 Rappen pro Kilowattstunde für die Umsetzung des Gesetzes zahlen müssten, also 0,3 bis 0,4 Rappen pro Kilowattstunde mehr: Ja, soviel muss uns die Sanierung der Wasserkraftwerke zugunsten der Fische in der Schweiz wert sein!

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