Die Quaggamuschel aufhalten!
25 | 04 | 2022 SchweizText: Eawag | Ruben Rod 1613
25 | 04 | 2022 Schweiz
Text: Eawag | Ruben Rod 1 613

Die Quaggamuschel aufhalten!

Neue Daten und ein Faktenblatt liefern Einblick in die aggressive Ausbreitung der Quagga­muschel in der Schweiz. Es ist zu befürchten, dass diese Muschelart die Seeökosysteme wesentlich belasten wird. 


Während die sehr ähnlich aussehende Zebra­muschel schon seit den 1960er-Jahren in der Schweiz präsent ist, wurde die Quaggamuschel zum ersten Mal im Jahr 2014 nachgewiesen. Seither hat sie sich in verschiedenen Schweizer Seen ausgebreitet. Im Bodensee hat sie sogar die Zebramuschel weitestgehend ersetzt. Die Fähigkeit der Quaggamuschel, sich fast ganzjährig fortzupflanzen, weiches Substrat in der Tiefenzone zu besiedeln und ihre effizientere Nahrungsaufnahme werden als wesentliche Gründe angesehen, warum die Quaggamuschel in tiefen Seen gegenüber der Zebramuschel konkurrenzfähiger ist und zunehmend an deren Stelle tritt. Derzeit identifiziert ist sie in den folgenden Seen: Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Bielersee, Lac Hongrin und Murtensee.


Mögliche Folgen

Gemäss aktuellem Wissensstand ist noch offen, welche Konsequenzen die Quaggamuschel für die betroffenen Voralpen- und Alpenseen im Detail haben wird. Gemäss Beobachtungen aus Nordamerika ist zu befürchten, dass ihre Präsenz einschneidende Folgen­ für die betroffenen Seeökosysteme haben wird: 

  • Rückgang des Planktons, da die Muscheln grosse Mengen Phytoplankton filtrieren 

  • Zunahme der Sichttiefe durch den Rückgang des Planktons 

  • Nährstoffzunahme am Seegrund und -abnahme im Freiwasser, da die Muscheln in Bodennähe leben

  • Veränderung der Artengemeinschaften und des Nahrungsnetzes 

  • Rückgang von Fisch­beständen aufgrund des veränderten Nahrungsnetzes 

  • Muschelschalen im Uferbereich­ 

  • Erhöhter Wartungsaufwand und Kosten, zum Beispiel für Rohre für Wasserentnahmen, Boote, Fischernetze usw. 
Appell des Fischereiinspektorats Bern
«Liebe Fischer, bitte reinigt und trocknet Eure Boote und weiteren Fischereiutensilien, wenn Ihr in den Thuner- und Brienzersee einwassert!»


Ausbreitung verhindern

Gewässer, die noch nicht betroffen sind, sollten bestmöglich vor einer Einschleppung geschützt werden. Wirksame Massnahmen sind Sensibilisierungskampagnen in der Bevölkerung und eine Reinigungspflicht für Wasserfahrzeuge, welche von einem auf ein anderes Gewässer versetzt werden. Denn durch Ballast-, Bilgen- oder Motorenkühlwasser von Schiffen und Freizeitbooten, die in verschiedenen Gewässern verwendet werden, werden die Muschellarven verschleppt. Die erwachsenen Muscheln kleben sich zudem an Oberflächen im Wasser fest: Werden diese nicht gereinigt oder gut getrocknet, bevor sie in andere Gewässer gelangen, verbreiten sich die Muscheln auch auf diese Weise. 

 

1 Kommentare


Hubert Wnuck

25 | 04 | 2022

Ein Problem, wie mit allen Neozoen.


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