Äschen-Quintett
14 | 10 | 2023 PraxisText & Fotos: Daniel Luther 0910
14 | 10 | 2023 Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 910

Äschen-Quintett

Die Äschenpirsch mit der Trockenfliege ist eine der reizvollsten Facetten des Fliegen­fischens. Ein Grund mehr, dieser unschätzbaren Ressource grosse Sorge zu tragen. Wir stellen fünf bewährte Muster vor, die Madame Thymallus zum Steigen verführen – auch in Italien, Österreich oder Lappland.


An den traditionsreichen Schweizer Äschenflüssen wie Aare, Saane, Rhein, Reuss oder Limmat gilt der Herbst als hohe Zeit für die Fliegenrute. Im Kopf haben dabei die meisten die Oberflächenfischerei mit der «Trockenen». Nymphen und der berühmt-berüchtigte rote Haken werden hierzulande vorzugsweise an einer Zapfenmontage oder «geschwemmt» am Seitenzweig mit Endblei serviert.


Wann die Äschen steigen

Äschen verbringen insbesondere in grösseren Flüssen die meiste Lebenszeit in Grundnähe. Hier suchen sie sich eine Stelle, wo sie mit möglichst wenig Energieaufwand beobachten können, was die Strömung heranträgt und schnappen sich alles, was nahrhaft scheint und in ihr relativ kleines Maul passt. An manchen Tagen sind das Hunderte von Tierchen! Je nach Jahreszeit und Gewässer die Larven von Köcher-, Eintags- und Steinfliegen oder Zuckmücken sowie Flohkrebse, Fischeier und Jungfischchen. Ist das Wasser genügend klar und nicht zu tief, haben die Äschen auch die Oberfläche im Visier. Als effiziente Überlebenskünstler nutzen sie jede Gelegenheit, die wertvolle Kalorien verspricht. Attraktiv sind frisch geschlüpfte Eintags- und Köcherfliegen sowie Landinsekten, die abstürzen oder vom Wind ins Wasser geweht werden: zumeist Heuschrecken, Käfer und Ameisen. 

Die Wahrscheinlichkeit für diese vielversprechende Konstellation ist in den grossen Schweizer Flüssen am höchsten von Ende Juli bis Anfang November: Dann ist das Schmelzwasser durchgerauscht und die Temperaturen sind günstig für Insekten. Wer schon eine Weile als Fliegenfischer in Europa unterwegs ist, der hat ziemlich sicher die Erfahrung gemacht, dass in vielen Gewässern eine erfolgreiche Trockenfliegenfischerei auf Äschen auch im Frühling und Sommer, ja sogar mitten im Winter möglich ist. Es lohnt sich also rund ums Jahr, ein smart sortiertes und gut gefülltes «Böxli» mit Äschenfliegen in petto zu haben. 


Das Äschen-Quintett

Vor allem grosse Äschen können furchtbar wählerisch sein. Oft muss man den edlen Herrschaften kleine bis winzige Fliegen in den Hakengrössen 14 bis 20 servieren, um sie zum Anbiss zu verführen. Entsprechend fein sollte die Spitze des Vorfachs sein: nicht dicker als 0,16 mm, eher 0,14 oder gar 0,1 mm. Damit harmoniert eine schwimmende Schnur der Klasse 3, 4 oder 5 und eine passende Rute von 8 bis 10 Fuss (240 bis 305 cm).


Red Tag  |  Der pure Überreiz

Der österreichische Altmeister Hans Gebethsroither nannte sie liebevoll sein «Hexerl». Dieses aus Grossbritannien stammende Muster vereint zwei unwiderstehliche Reize. Der Körper aus Pfauengras imitiert überzeugend das Schimmern von dunklen Insektenkörpern. Das rote Schwänzchen (engl. red tag) ist ein starkes biologisches Signal für alle Räuber. Im Lauf der Jahre wurde das fängige Konzept mit diversen Materialien und Bindestilen variiert. 

In meiner Fliegenbox hat sich eine Version mit Grizzly-Hechel immerhin ihr Plätzchen als Edeljoker auf der Ersatzbank gesichert.


CDC  |  Von der Ente nur das Beste

Gesetzt für den Spielbeginn sind bei mir Fliegen mit CDC (cul de canard). Die Entenbürzeldaunen haben einen beeindruckenden Auftrieb und ihre lebhaften feinen Fibern wirken appetitlich lebendig im Wasser. Die einfachste Version ist die berühmte Fratnik-Fliege oder F-Fly, die selbst Binde-Amateure wie ich in Bonsaigrösse hinkriegen. Trotz ihrer Einfachheit ist sie in den meisten Fällen überzeugend genug als Imitation von winzigen Eintags- und Köcherfliegen und Zweiflüglern. Da viele Äschen eine Schwäche für Blingbling haben, segmentiere ich den Körper gern mit Flashabou. Mit Varianten in Grau, Braun, Oliv, Pink und Schwarz in den Grössen 14 bis 20 ist man für sehr viele Situationen gerüstet.


Parachutes  |  Oft der Rettungsfallschirm

Fallschirm- oder Parachute-Fliegen sind meine erste Wahl, wenn ich in unruhigem Wasser und bei schlechten Sichtbedingungen (z.?B. in der Dämmerung) fische. Unter solchen Umständen akzeptieren Äschen freundlicherweise oft auch etwas grössere Muster. Im Hechelkranz lässt sich leicht und unauffällig für den Fisch eine fluoreszierende Sichthilfe integrieren, die das Beobachten der Fliege deutlich vereinfacht. Ich schätze dafür Pink oder Orange. Parachutes lassen sich mit einer Vielzahl von Materialien binden – natürlich auch mit CDC. Für meine Äschenfallschirmchen in Grösse 14 und 16 nehme ich gern Hahnenhecheln in Grizzly und kombiniere sie mit grauen oder beigen Körpern.


Rehhaar  |  Alpen-Besen

Im Lauf der Jahre habe ich in etliche Fliegenboxen schauen dürfen. Vor allem an alpinen Äschengewässern, sei es bei uns, in Österreich oder im hohen Norden, sieht man dichte Reihen von Rehhaarfliegen, die tatsächlich an kleine Besen erinnern. Sie gaukeln den Äschen helle Köcherfliegen und Eintagsfliegen vor, sie schwimmen gut und hoch auch in turbulentem Wasser und sind dabei gut zu sehen.


Klinkhammer  |  Und ewig lockt die Kurve

Hans van Klinken schuf in den 1980er-Jahren ein Muster, das Fliegenbinder rund um den Globus beeinflusst hat. Mit seiner Schöpfung verband er den damals noch wenig bekannten Parachute-Stil und die Imitation der schlüpfenden Köcherfliegen-Puppe (engl. Emerger) mit einem gekrümmten Haken. Inspiriert haben dieses Muster die superheiklen Äschen des norwegischen Flusses Glomma. Van Klinken erkannte, dass die Äschen völlig fixiert waren auf tief im Oberflächenfilm eingesunkene Köcherfliegen-Puppen. Ab und zu bekam er einen Biss auf eine «halb ertrunkene» Red Tag, aber er verpasste die allermeisten, weil er die Fliege nicht sah.

Sein Ziel war ein gut sichtbares Muster mit einem gekrümmten Hinterleib, der lebensecht unter der Wasseroberfläche hängt. Mit der Parachute-Bindeweise und einem zurechtgebogenen Haken schuf er schliesslich eines der «tödlichsten» Äschenmuster überhaupt. Selbst wenn nirgends Köcherfliegen schlüpfen, wird der Klinkhammer oft mit grosser Gier genommen. Neben dem Original mit grauem Körper und Pfauengras-Thorax, gibt es heutzutage eine Fülle von Varianten, zum Beispiel mit glänzend UV-lackiertem Quill-Körper.

 

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