Schweizer Zander
29 | 09 | 2023 Schweiz | PraxisText: Ruben Rod 02287
29 | 09 | 2023 Schweiz | Praxis
Text: Ruben Rod 0 2287

Schweizer Zander

Vom Zander hört und liest man öfters, als man ihn fängt. Als hervorragender Speisefisch ist er sehr gesucht, doch gefunden wird er vergleichsweise selten. Sein ruhiges Temperament, das enge Beutespektrum und seine kurzen aktiven Phasen in dunklen Stunden machen ihn zu einem schwierigen Fischerziel. Dass er in vielen Schweizer Gewässern schwimmt, ist aber mehr als nur ein Gerücht.


Beim Zander (Sander lucioperca), dem grosswüchsigsten der bei uns vorkommenden Barsche, handelt es sich um einen spezialisierten Raubfisch, der sich ab dem ersten Lebensjahr weitgehend von Fischen ernährt. Weniger bekannt ist, dass der Zander in Europa ursprünglich nur östlich der Elbe und im Donausystem vorkam. Jetzt trifft man ihn in ganz Europa inklusive Skandinavien, England und den grossen Mittelmeerinseln an. In seinem heutigen Verbreitungsgebiet spielt er vielerorts eine wichtige fischereiliche Rolle, ist ursprünglich jedoch nicht heimisch. In Nordamerika schwimmt ein enger Verwandter, der Walleye (Sander vitreus). Der Zander kommt gut mit den Verhältnissen in von Menschen geprägten Flüssen und Seen zurecht, sodass diese Art sich erfolgreich etablieren kann. Die Bestände lassen sich durch Verbesserung von Laichmöglichkeiten (z. B. Versenken von Laichhilfen oder Totholz, Revitalisierung von Altarmen usw.) wesentlich besser fördern als durch den teuren und oft wenig wirkungsvollen Besatz mit Jungzandern. Entweder es gefällt dem Zander und er bleibt – oder er verschwindet wieder.

 Zanderbrut ist im Gegensatz zu den ausgewachsenen Fischen ausgesprochen klein und sehr empfindlich. Nur wo die Bedingungen stimmen und ausreichend passendes Plankton vorhanden ist, kann sich der Zander längerfristig halten. Auch dann sind starke Bestandesschwankungen typisch für diese Art. © Ruben Rod

Zanderbrut ist im Gegensatz zu den ausgewachsenen Fischen ausgesprochen klein und sehr empfindlich. Nur wo die Bedingungen stimmen und ausreichend passendes Plankton vorhanden ist, kann sich der Zander längerfristig halten. Auch dann sind starke Bestandesschwankungen typisch für diese Art. © Ruben Rod


Zandergewässer der Schweiz

Der Zander kommt ausser den sehr kalten und nährstoffarmen grossen Seen wie Brienzer- und Walensee in fast allen grossen Seen der Schweiz vor. Auch in kleinen Seen und einigen Flussabschnitten sowie Stauseen findet man ihn. Doch nennenswerte Bestände, die man erfolgreich und mit einer gewissen Konstanz gezielt befischen kann, sind weitaus dünner gesät als die weit gestreuten Meldungen von Zanderfängen.


Zanderfänge  Top 12

Die zwölf ertragsstärksten Zanderseen nach absoluten Zahlen (in Stück) gemessen am Durchschnitt der Jahre 2015-2019 basierend auf Daten der Schweizer Fangstatistiken.  An Greyerzer-,  Lauerzer-, Sarner-, Sihl- und Schiffenensee hat es keine Berufsfischerei.


Die für regelmässige und gute Zanderfänge bekannten Gewässer der Schweiz sind rasch aufgezählt: Der Sihlsee, die Tessiner Seen, der Murtensee, die Freiburger Seen Greyerzer- und Schiffenensee, der Bodensee, die Innerschweizer Seen Alpnacher-, Sarner- und Lauerzersee. Im Kanton Zürich spricht man immer wieder von Zandern aus dem Greifensee und Pfäffikersee, doch die Fangzahlen dieser Seen bleiben weit unter den Erwartungen. Nennenswerte Zanderfänge sind hingegen am Zürichsee-Obersee dokumentiert. Die obengenannten üblichen Verdächtigen sind in der Auswertung der Zanderfänge alle in den oberen Rängen zu finden, doch es gibt überraschende Einblicke: Da wären jene Seen, bei welchen die Fänge der Berufs- und Angel­fischer besonders stark voneinander abweichen (sofern auch Berufs­fischer vorhanden sind). So wird etwa am Bodensee, am Bielersee und am Zürichsee ein Vielfaches der Zander mit Netzen gelandet. Auch am ertragreichen Murtensee und den Tessiner Seen machen die Netzfänge den Grossteil aus.


Zanderfänge pro km2

Aus nennenswerten Fangzahlen ermittelte Zanderfänge von Angelfischern nach Stück pro km2. 

Hinweis: Nicht alle Zandergewässer sind in dieser Auswertung enthalten! Kleinere Seen und Fliessgewässer fehlen hier, darunter auch einige mit einer vermutlich relativ hohen Zanderdichte (nährstoff­­reiche Kleinseen und Stauhaltungen).


Spannendes offenbart die Auswertung der von Angelfischern angelandeten Anzahl Zander in Bezug auf die Seefläche. Mit einem grossen Vorsprung vor allen anderen Zanderseen sind es die beiden Stauseen Greyerzer- und Schiffenensee mit durchschnittlich über 350 und 250 erfassten Zanderfängen pro Quadratkilometer Seefläche, gefolgt vom überraschenden Dritten, dem Lauerzersee mit rund 150 Zandern/km2 und schliesslich auf dem vierten Platz der für seinen Zanderbestand berühmte Sihlsee mit fast 130 Fängen/km2. Mit vergleichsweise grossen Abständen folgen auf dem fünften bis zehnten Platz der Murtensee, Luganersee, Alpnachersee, Langensee, Sarnersee und Bielersee. Die Tessiner Seen werden in dieser Analyse unterschätzt, da die Fangzahlen der Italiener nicht mitberücksichtigt sind. Diese Seen zählen zu den besten Zandergewässern, insbesondere wenn es um grosse Fische geht.

 Zander lassen sich am richtigen Ort zur richtigen Zeit (vorwiegend im Dunkeln) auch mit Wobblern überlisten. Es muss nicht immer ein Köderfisch sein.  © Ruben Rod

Zander lassen sich am richtigen Ort zur richtigen Zeit (vorwiegend im Dunkeln) auch mit Wobblern überlisten. Es muss nicht immer ein Köderfisch sein. © Ruben Rod


Zanderparadies Sihlsee?

Eines der besten Gewässer für Zander ist wie erwähnt der Sihlsee. Noch vor gut zehn Jahren füllte «Hampe» Burri, der damalige Inhaber des Fischereigeschäfts in Willerzell, ganze Seiten kapitale Fänge mit den Fischen seiner Kunden und Patentkäufern an seinem Hausgewässer. Unvergessen ist ein Zettel, der damals auf der Geschäftstheke platziert war und die Tagespatentbezüger vor überzogenen Erwartungen verschonen wollte. Sinngemäss hiess es dort, dass «nur mit einem Aufwand von mehreren Tagen mit einem Zanderfang gerechnet werden kann». Auch Berühmtheiten der deutschen Fischerszene bissen sich hier nämlich schon die Zähne aus. So blieb unter anderem auch der norddeutsche Zanderexperte Veit Wilde am Sihlsee Schneider. Der Bestand an Zandern dürfte aber nach wie vor nicht allzu schlecht sein, wissen die Insider zu berichten. Theorien dazu, weshalb die Zander hier so schwierig zu fangen sind, gibt es zuhauf. Unbestritten ist der hohe Befischungsdruck, welcher die Zander wohl sehr heikel macht. Ein anderer Erklärungsansatz geht von einem hohen Futterangebot aus, das den Sihlsee-Zandern erlaubt, den grössten Teil des Tages regungslos und faul am Grund zu hocken. Fakt ist, dass es nur ein paar wenige Fischer gibt, die den Zandern dicht auf der Spur sind und gute Fänge machen. Der Sihlsee steht damit exemplarisch für viele (auch gute!) Zandergewässer, an denen die begehrten Riesen-Stachelritter partout nicht beissen und es dann plötzlich doch tun …

 Im Vergleich mit dem  Egli hat der Zander ein richtiges Raubtiergebiss mit markanten Eckzähnen. © Daniel Luther

Im Vergleich mit dem Egli hat der Zander ein richtiges Raubtiergebiss mit markanten Eckzähnen. © Daniel Luther


INTERVIEW  |  Attila Güleryüz

Mit dem Berner Raubfischspezialisten Attila Güleryüz hat «Petri-Heil»-Redaktor Ruben Rod als Jungfischer seinen ersten Zander am Bielersee gefangen. Grund genug, den «alten Hasen» nach seinen Erfahrungen mit dem besonderen Räuber zu fragen.

 Der Berner Raubfischspezialist Attila Güleryüz hat viel Zeit in den Zander investiert. © Attila Güleryüz

Der Berner Raubfischspezialist Attila Güleryüz hat viel Zeit in den Zander investiert. © Attila Güleryüz


Wie umschreibst Du den Zanderbestand in der Schweiz?

In der Schweiz haben wir nicht die perfekten Voraussetzungen für einen dominanten Zanderbestand. Es kommen aber in den meisten Gewässern Zander vor. Je nährstoffreicher und somit trüber, desto grösser könnte theoretisch der Zanderbestand ausfallen. Ein Beispiel dafür ist in meiner Region der Murtensee, welcher bekanntermassen einige Fische für Hobby-, Sport- und Berufsfischer pro Jahr abwirft. Der Schiffenensee ist dabei auch zu nennen. In den eher klaren und tieferen Mittellandgewässern wie z. B. dem Bielersee haben es die Zander schwerer, einen stabilen Bestand mit solider Alterspyramide zu bilden. Dort kommen zwar zum Teil massive Fische vor, allerdings habe ich meine Zweifel, dass sich der Zander zuverlässig fortpflanzen kann. Damit genug Laich und Brut überleben, braucht es weniger direkte UV-Einstrahlung und mehr Plankton, als im Bielersee um die Laichzeit herum herrscht. Das soll aber nicht heis­sen, dass die Zander nicht jährlich versuchen, sich zu vermehren, was sicherlich auch je nach Jahr mal gelingt. Ich kann jeden Frühling einige starke Zander als Laichwächter im Bielersee bewundern. Schön zu wissen, dass es sie gibt!

 

Schätzt Du die Zanderbestände als unter- oder überfischt ein?

 Die Schweizer Haltung gegenüber dem Zander ist sehr zwiespältig. Als Migrant und teilweise invasive Spezies verschrien, als Speisefisch unglaublich beliebt und beackert. Dort, wo der Zander überfischt werden kann, findet dies seit Jahren konsequent statt. Der Zander ist in den meisten stehenden Gewässern in zwei Situationen nahe am Angler: während der Laichzeit und im Sommer und Herbst in der Nähe von Flusseinläufen. Was die Fische im flachen Wasser in den späten Frühlings- und frühen Sommermonaten betrifft, werden sie nun mit den noch relativ neuen Schonzeiten besser geschützt, allerdings sind sie anfangs Mai nicht zwingend mit ihrem Fortpflanzungsversuch fertig. Männchen bewachen die Nester meist bis Mitte Juni und sind dabei weiterhin einfach zu fangen. Was die Fluss­einläufe anbelangt, sind diese während der Saison fast jeden Tag und jede Nacht befischt (meine Erfahrung stützt sich auf den Murten- und Bielersee). Hier werden in den beiden Seen über die ganze Saison hinweg sicher am meisten Fische gefangen, vor allem wenn auf die Fischerei von Laichtieren verzichtet wird. Gelegentlich ziehen starke Rudel in Grundnähe zu den Einläufen und halten sich zum Teil über mehrere Wochen dort auf. Dann kann es zu grossen Fangfestivals kommen. Diese sind über die Jahre freilich seltener geworden. Ob dies nur der Druck der Hobbyfischer ist, kann ich so nicht sagen. Berufsfischerei und andere Faktoren spielen sicher auch eine Rolle. Die Mittellandseen bieten dem Zander aber ein grosses Wasservolumen, wo sich diese Art gut zurückziehen kann. Die kleineren Fische bis 65 cm leben bodennah und verteilen sich bis weit in die Seetiefen, die grossen Exemplare leben in der pelagischen Zone. Das macht sie für Sportfischer weitgehend unerreichbar und ein effizientes Fischen ist schwierig oder mindestens sehr zeitintensiv. Beim gezielten Schleppfischen und pelagischen Fischen kann man aber in Kontakt mit sehr grossen Zandern kommen. In den Flüssen wie der Aare und im Rhein sind die Zander alles andere als einfach zu befischen, kommen aber dafür in tollen Durchschnittsgrössen vor. Auch hier ist eine Überfischung nicht so einfach möglich. 

 

Ist der Zander eine Diva?

Nein, ich denke, dass der Zander einschätzbar ist. Er ist halt nicht häufig dort, wo wir ihn beangeln möchten, und falls er da ist, ist er nicht immer beisswillig. Wie alle Barschartigen ist er eher empfindlich gegenüber Wetterwechseln (zum Teil apathisch, manchmal entfesselt am Jagen). Zudem hat er bestimmte Beisszeiten. Je klarer das Gewässer, desto eher ist er in der Dämmerung und der Nacht aktiv. Das ist aber nicht in Stein gemeisselt! Gerade im späten Frühling ist er auch bei Sonnenschein aktiv. Trübes Wasser, Wind oder Sturm im Sommer können zu Aktivitätsphasen führen. Sein Charakter ist aber schon eigen. Sein passiv-aggressives Verhalten ist auch nicht mit Hecht und Egli zu vergleichen. Er ist eher zurückhaltend und langsam, pirscht an, anstatt hemmungslos und ausdauernd zu jagen. Dabei hat es natürlich Ausnahmen. Es gibt Tage, da fragt man sich, weshalb man sich das Leben so schwergemacht hat, weil man sich vor Bissen nicht retten kann. Doch der Zander ist im Grunde ein berechenbarer Fisch, was auch dazu geführt hat, dass der Deutsche Sebastian Hänel ein «Zandercoaching» anbietet. Ein interessantes Geschäftsmodell.

 

Deine Empfehlung an den Zander-Anfänger? 

Allgemein denke ich, dass der Zander ein Fisch ist, für welchen man einiges an Zeit und Motivation mitbringen muss. Idealerweise hat man einen Job, bei dem man nicht um 7 Uhr auf der Matte stehen muss, damit man regelmässig mindestens einige gute Nachstunden mitnehmen kann. Das soziale Umfeld sollte den daraus entstehenden Lifestyle auch mitmachen. Das kann auch ein Beziehungskiller sein. Falls Du einige der guten Voraussetzungen hast, dann definiere Deine Ziele: ein Grossfisch dann und wann oder eher die Aussicht auf mehrere (kleinere) Fische?

  • Grossfisch: Viel Ausdauer, fischen in der Nacht, Schleppen, LiveScope. Flusseinläufe in Seen, vor allem nachts. Auch die Flüsse sind nicht zu unterschätzen, da gibt es zum Teil sehr grosse Einzelfische.

  • Kleinere Küchenzander: Bereit sein, viel Lehrgeld zu zahlen, Boot kaufen, bekannte Standplätze beangeln.

  • Vom Ufer aus: Nimm Flüsse, Kanäle und Stauseen ins Visier. Dort bestehen die besseren Chancen, dass Dein Köder in der Nähe eines Zanders landet. Beachte dabei die möglichen Aktivitätsphasen je nach Wasser und Witterung.

  • Vom Boot aus: Willst Du mit grösserer Wahrscheinlichkeit Zander fangen, so versuche, einen guten Standplatz an einem der für Zander bekannten Hotspots zu besetzen. Falls Du bereit bist, noch mehr Zeit zu investieren, kommt das Schleppfischen in Frage. Und schliesslich kann man sich auch ein Live Sonar-Echolot anschaffen. Zumindest solange diese Technologie nicht gesetzlich eingeschränkt ist.

 

Ist das Zanderfischen im Ausland besser?

Punkto Masse gibt es auf jeden Fall sehr tolle Gewässer im Ausland. Norditalien, Spanien und Schweden sind top. Und jeder, der YPC Zander Pro schaut, weiss um die guten Gewässer in Holland. Die Franzosen sind hungrig nach Zander, allerdings herrscht eine etwas sportlichere Kultur des Angelns und die Bestände werden oft verantwortungsvoller befischt. Dies liegt aber auch daran, dass es zum Teil nicht empfohlen wird, gefangene Fische zu essen (z. B. Rhône). Deutschland hat gute Zanderbestände, die aber von den Locals sehr gründlich befischt werden. In der Schweiz haben wir auch den Heimvorteil: Mit genügend Ausdauer, Motivation und Zeit kann man viel über den Zander lernen und eventuell eine interessante Fischerei erleben. Die Chancen auf einen richtig kapitalen Zander bestehen definitiv auch in der Schweiz! Das zeigen die Fänge einiger Spezialisten eindrücklich. Zudem bin ich mir sicher, dass es noch etliche Gewässer gibt, wo sich die Zanderbestände im Dornröschenschlaf befinden­.




Den ersten guten Zander konnte «Petri-Heil»-Redaktor Ruben Rod am Luganersee landen. Seine Haare sind kürzer geworden, aber die Tessiner Zander sind es nicht …



Tipps zum Zanderfischen

Du willst an einem der Zandergewässer einen der Räuber mit den markanten Eckzähnen erwischen? Anhaltspunkte dazu findest Du in diesen beiden Artikeln online: 

> Wie Zander wirklich ticken

> Machs doch nicht komplizierter als es ist

 

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