[Mit dem] Hecht [durchs Jahr]
07 | 06 | 2021 PraxisText & Fotos: Robin Melliger 1785
07 | 06 | 2021 Praxis
Text & Fotos: Robin Melliger 1 785

Mit dem Hecht durchs Jahr

Die Hechtsaison hat vor kurzem begonnen und bereits steht der Sommer vor der Tür. Zwar kann man den Hecht fast das ganze Jahr hindurch befischen, doch sein Raubverhalten verändert sich stetig. Hechte sind Opportunisten und wechseln ihre Standorte und ihr Jagdverhalten entsprechend den Jahreszeiten. Robin Melliger berichtet über seine Erfahrungen durch die vier Jahreszeiten des Hechtfischens.


Sommer

 Melligers Topköder für den Sommerhecht: (v. l. n. r.) Gummifrosch am Offset-Haken, Pigshad-Gummifisch und der Fox Rage Replicant 55 Gramm im Rotaugen-Rotfeder-Dekor.

Melligers Topköder für den Sommerhecht: (v. l. n. r.) Gummifrosch am Offset-Haken, Pigshad-Gummifisch und der Fox Rage Replicant 55 Gramm im Rotaugen-Rotfeder-Dekor.

 Melligers Topköder für den Sommerhecht: (v. l. n. r.) Gummifrosch am Offset-Haken, Pigshad-Gummifisch und der Fox Rage Replicant 55 Gramm im Rotaugen-Rotfeder-Dekor.

Melligers Topköder für den Sommerhecht: (v. l. n. r.) Gummifrosch am Offset-Haken, Pigshad-Gummifisch und der Fox Rage Replicant 55 Gramm im Rotaugen-Rotfeder-Dekor.

 Melligers Topköder für den Sommerhecht: (v. l. n. r.) Gummifrosch am Offset-Haken, Pigshad-Gummifisch und der Fox Rage Replicant 55 Gramm im Rotaugen-Rotfeder-Dekor.

Melligers Topköder für den Sommerhecht: (v. l. n. r.) Gummifrosch am Offset-Haken, Pigshad-Gummifisch und der Fox Rage Replicant 55 Gramm im Rotaugen-Rotfeder-Dekor.

Badende Menschen, viele Boote auf dem See, Sonnenschein, heisse Tage und laue Nächte: Der Sommer ist da! Wenn sich die Wassertemperatur der 25 Grad Marke annähert oder diese gar übersteigt, ist es für den Hecht Zeit, sich abzukühlen. Entweder sucht er sich tiefere und kältere Wasserzonen auf, oder er setzt sich unter überhängende Bäume, Wurzeln oder sonstige Strukturen. Eine anspruchsvolle Fischerei bieten verwachsene Uferpartien mit Hechtunterständen. Präzise Würfe werden hier durch starke Bisse belohnt. Sind übrigens Enten oder Blesshühner mit ihren jungen Küken unterwegs, sind Topwater-Köder jetzt ganz besonders fängig.

In den Hochsommermonaten lassen sich Hechte am besten in den frühen Morgen- und späten Abendstunden überlisten. In kleinen Gewässern mit starkem Pflanzenvorkommen ist oft der Abend am interessantesten, weil dann der Sauerstoffgehalt am höchsten ist. Doch auch wer frühmorgens am Spot ist, kann magische Momente am Wasser erleben: Einer meiner besten Hechttage konnte ich Ende Juli letzten Jahres erleben.

Mein Kollege und ich machten uns um 4 Uhr auf den Weg zum Boot und erreichten den Spot um 5 Uhr. An diesem Morgen konnten wir in weniger als einer Stunde drei stattliche Hechte landen. Einen Hecht während des Sonnenaufgangs zu drillen, wenn sich noch kein anderes Boot auf dem See befindet, ist eine ganz spezielle Erfahrung.

Tagsüber lasse ich mich an grösseren Gewässern wie dem Vierwaldstättersee im Sommer gerne auf dem See treiben. Wenn der Wind bläst, benutze ich meinen Driftsack, um die Driftgeschwindigkeit zu reduzieren. Mit einem E-Motor lässt sich die Drift bei Bedarf auch abbremsen oder künstlich herstellen. So lässt sich eine grosse Wasserfläche abfischen. Die Hechte sind über das ganze Freiwasser verteilt und schiessen auch gerne aus einem Tiefenunterschied von zehn Metern zum Köder hoch, den ich auf 3 bis 6 Metern präsentiere. Dabei kommen bei mir oft Westin- oder Stucki-Gummis in 16 cm oder 21 cm Länge oder ähnliche Köder zum Einsatz. Montiert werden die Gummis an 25 bis 35 Gramm Jighaken. An sonnigen Tagen fische ich natürliche und dunklere Farben wie Dunkelgrau, ein tiefes Blau oder Dunkelgrün. Kurz vor einem Gewitter, wenn der Himmel von schwarzen Wolken überzogen ist, kommen Köder im grellen Dekor zum Einsatz. In beiden Fällen entsteht ein für den Hecht gut sichtbarer Kontrast.

Wenn man im Sommer einen Hecht wieder freilassen will, ist zu beachten, den Fisch nicht zu lange an der Luft zu halten und umgehend zurückzusetzen. Der niedrige Sauerstoffgehalt des Wassers erschwert die Erholung nach einem langen Kampf beträchtlich.


Herbst

 Die Herbstfavoriten (v. l. n. r.): Savage Gear Line Thru Trout, Oberflächenköder Whopper Plopper von River2Sea und der Lucky Craft Pointer im Egli-Dekor.

Die Herbstfavoriten (v. l. n. r.): Savage Gear Line Thru Trout, Oberflächenköder Whopper Plopper von River2Sea und der Lucky Craft Pointer im Egli-Dekor.

 Die Herbstfavoriten (v. l. n. r.): Savage Gear Line Thru Trout, Oberflächenköder Whopper Plopper von River2Sea und der Lucky Craft Pointer im Egli-Dekor.

Die Herbstfavoriten (v. l. n. r.): Savage Gear Line Thru Trout, Oberflächenköder Whopper Plopper von River2Sea und der Lucky Craft Pointer im Egli-Dekor.

 Die Herbstfavoriten (v. l. n. r.): Savage Gear Line Thru Trout, Oberflächenköder Whopper Plopper von River2Sea und der Lucky Craft Pointer im Egli-Dekor.

Die Herbstfavoriten (v. l. n. r.): Savage Gear Line Thru Trout, Oberflächenköder Whopper Plopper von River2Sea und der Lucky Craft Pointer im Egli-Dekor.

Wenn die Wassertemperaturen wieder unter die 20 Grad Marke fallen, fressen sich die Hechte einen Winterspeck an für die folgenden kälteren Tage. Da der Herbst oft noch viel Sturm und Unwetter mit sich bringt, durchmischen sich die Wasserschichten, das ganze Gewässer wird auf den Kopf gestellt. Die durch den Sommer stabile Sprungschicht löst sich auf und die Fische verteilen sich phasenweise fast über das ganze Gewässer. Eine durchaus vielseitige Zeit, um dem Hecht nachzustellen, ob im Freiwasser oder an den Uferzonen. Die Hechte bevorzugen jetzt grössere Beute, gerne auch direkt an der Oberfläche. Dies bringt eine meiner favorisierten Angeltechniken ins Spiel. Die Oberflächenangelei ist im Herbst eine sehr effektive Art, den Köder zu präsentieren. Ich habe in den Herbstmonaten in kleinen sowie in grossen Seen mit Stickbaits und Ähnlichem wahre Sternstunden am Wasser erleben dürfen. An einem kleineren See konnte ich mit dem Stickbait an einem Herbsttag gleich mehrere schöne Hechte fangen; der Fisch auf dem Bild mass beachtliche 89 cm. Die explosive Attacke auf einen auf der Oberfläche geführten Stickbait ist etwas vom Aufregendsten, das unsere Fischerei zu bieten hat! Im Freiwasser ist jetzt die Zeit für wirklich grosse Gummifische. Auch der tote Köderfisch ist nicht zu verachten: Mit einem Segelzapfen lässt sich dieser von der Tiefe über die Kante in die flache Uferzone treiben. Vom Ufer aus empfehlen sich abfallende Kanten, Sandbänke und generell Bereiche, wo sich viel Futterfisch aufhält. Futterfische sind übrigens immer ein guter Indikator für die Ködergrösse: Ist ein Jungfisch-Schwarm vor Ort, muss der Köder nicht allzu gross ausfallen.


Winter

 Für den Winter (v. l. n. r.): Der Prorex Classic Shad von Daiwa, der Shad Teez von Westin und der Biwaa Divinator.

Für den Winter (v. l. n. r.): Der Prorex Classic Shad von Daiwa, der Shad Teez von Westin und der Biwaa Divinator.

 Für den Winter (v. l. n. r.): Der Prorex Classic Shad von Daiwa, der Shad Teez von Westin und der Biwaa Divinator.

Für den Winter (v. l. n. r.): Der Prorex Classic Shad von Daiwa, der Shad Teez von Westin und der Biwaa Divinator.

 Für den Winter (v. l. n. r.): Der Prorex Classic Shad von Daiwa, der Shad Teez von Westin und der Biwaa Divinator.

Für den Winter (v. l. n. r.): Der Prorex Classic Shad von Daiwa, der Shad Teez von Westin und der Biwaa Divinator.

Wenn der See nach dem Herbst nun definitiv an Temperatur einbüsst, verlangsamt sich der Stoffwechsel der Hechte. Sie werden träger und teilen sich die Energie besser auf. Denn nur so können sie gut überwintern. Der Verdauungsprozess bei üppiger Beute kann bei Wassertemperaturen unter 10 Grad bis zu einer Woche dauern. Hechte nehmen in dieser Zeit also weniger Nahrung auf, aber lassen sich durch auffällige Köder dennoch reizen. Dies bedeutet für uns Fischer, dass wir mit grossen und eher langsam geführten Ködern am ehesten Erfolg verzeichnen werden. Bei kalten Bedingungen suche ich mir steil abfallende Kanten in Ufernähe und tiefere Freiwasserzonen aus, wo sich der Hecht vermehrt noch aufhält. Der Köder fällt bei mir im Winter oft gross aus, also ab 20 cm aufwärts, denn für den Hecht muss sich der Angriff lohnen. Ich konnte vom Boot wie auch vom Ufer aus wirklich schöne Winterhechte fangen. Meinem Kollegen Dominik Bosshard gelang es im Spätwinter, seine Bestmarke auf imposante 112 cm hochzuschrauben. Mit einem grossen Westin-Gummi am 30 Gramm Jigkopf konnte er diesen wunderschönen Fisch an einem kalten Winternachmittag vom Ufer aus überlisten. Ebenfalls lohnt sich die pelagische Fischerei auf Winterräuber im Freiwasser. Beim pelagischen Fischen versucht man, einem übers Echolot georteten Fisch eine Beute im unmittelbaren Sichtfeld zu präsentieren. Dies geschieht meistens vertikal, direkt unter dem Boot. Im Januar dieses Jahres konnte ich so bei Minustemperaturen einen stattlichen 96er-Hecht erbeuten. Es zeigt sich also, dass sich der Versuch auch bei unangenehmen Bedingungen durchaus lohnen kann.


Frühling

 Robins Frühlings-Favoriten (v. l. n. r.): Jerkbait von Strike Pro, Twitchbait Rudra Suspending von OSP und Keitech-Gummifisch am Offset-Haken.

Robins Frühlings-Favoriten (v. l. n. r.): Jerkbait von Strike Pro, Twitchbait Rudra Suspending von OSP und Keitech-Gummifisch am Offset-Haken.

 Robins Frühlings-Favoriten (v. l. n. r.): Jerkbait von Strike Pro, Twitchbait Rudra Suspending von OSP und Keitech-Gummifisch am Offset-Haken.

Robins Frühlings-Favoriten (v. l. n. r.): Jerkbait von Strike Pro, Twitchbait Rudra Suspending von OSP und Keitech-Gummifisch am Offset-Haken.

 Robins Frühlings-Favoriten (v. l. n. r.): Jerkbait von Strike Pro, Twitchbait Rudra Suspending von OSP und Keitech-Gummifisch am Offset-Haken.

Robins Frühlings-Favoriten (v. l. n. r.): Jerkbait von Strike Pro, Twitchbait Rudra Suspending von OSP und Keitech-Gummifisch am Offset-Haken.

Der Frühling ist eine blühende Zeit und das langersehnte Fischen auf Hecht ist ein unbestrittener Höhepunkt im Fischerjahr. Der Startschuss dazu ist an den meisten Schweizer Gewässern der 1. Mai. In der Laichzeit, die meistens im April stattfindet, war der Energieverbrauch der Hechte sehr hoch und verlangte den Tieren einiges ab. Nun müssen sie sich zu neuen Kräften fressen. Oft rauben Hechte nach dem Laichen in unmittelbarer Nähe ihrer Laichgebiete in den Flachwasserzonen. Ab einer Wassertemperatur von 12 bis 14 Grad fahren die Fische den Stoffwechsel richtig hoch und beginnen, ausgiebig zu jagen. In den Frühlingsmonaten lohnt sich also ein Angriff entlang der Krautfelder und abfallenden Kanten. Twitchbaits und Jerkbaits sind über den noch nicht voll entwickelten Krautfeldern äusserst effektiv. In den Frühlingsmonaten verwende ich gerne Köder im Hechtdekor, da sich grosse Fische oft mit den kleineren Hechten in den Flachwasserzonen nahe beieinander aufhalten und bekanntermassen Kannibalen sind.  Wenn das Wasser warm genug ist oder andernfalls mit Wathosen lassen sich interessante Stellen gut zu Fuss erkunden. Wenn der Wind nach lang anhaltender Windstille wieder aufdreht, habe ich ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. Der Wind bläst jetzt das Wasser und die Nahrung in eine Bucht oder an eine Seeseite und die Futter­fische und mit ihnen auch die Hechte folgen. Sehr gute Köder sind jetzt kleinere Gummifische, Löffel oder Spintails. Für den Versuch mit der Fliegenrute ist die Zeit nach der Hechteröffnung ebenfalls ideal. Auch grosse Hechte stehen jetzt in den Flachwasserzonen und langsam geführte Streamer sind besonders erfolgversprechend. Im Mai konnte ich einige meiner grössten Hechte fangen und ich freue mich immer wieder nach der Winterpause auf den ersten Hechtwurf der Saison. 

 

1 Kommentare


Peter w

21 | 06 | 2021

Die meisten Bisse kommen immer dann wenn man am wenigsten damit rechnet.


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